DGS: H9N2: Warum Europa jetzt genauer hinschaut

30-07-2026

H9N2 galt lange als ein Influenza-Subtyp, der vor allem in Asien vorkommt. Seit den ersten Nachweisen in europäischen Geflügelbeständen richtet sich der Blick aber auch hier stärker auf das Virus.

von DGS RedaktionQuelle: Frontiers in Public Health erschienen am 30.07.2026 Lesezeit: ca. 2 Min.
 

Noch vor wenigen Jahren spielte H9N2 in Europa kaum eine Rolle. Das hat sich geändert. Im Frühjahr 2026 meldeten die europäischen Referenzlabore erstmals H9N2-Nachweise in Geflügelbeständen in Europa. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) führen den Subtyp inzwischen regelmäßig in ihren gemeinsamen Lageberichten auf. Für deutsche Geflügelhalter besteht dadurch kein akuter Handlungsbedarf. Die Entwicklung zeigt aber, dass H9N2 längst nicht mehr nur ein Thema für Asien ist.

Vor diesem Hintergrund gewinnt eine jetzt veröffentlichte Studie aus der chinesischen Provinz Zhejiang an Bedeutung. Sie erklärt, warum Wissenschaftler den Subtyp genauer beobachten.

 
 

Geflügelmärkte als Drehscheibe für Influenzaviren

Forscher des Quzhou Center for Disease Control and Prevention untersuchten zwischen 2014 und 2025 insgesamt 7.762 Umweltproben aus Geflügelmärkten, Schlachtbereichen und weiteren Einrichtungen. In 2.689 Proben fanden sie Erbmaterial aviärer Influenzaviren. Besonders häufig fielen Lebendgeflügelmärkte auf. Die höchsten Nachweisraten ermittelten die Wissenschaftler an Schneidebrettern und anderen Flächen, die beim Schlachten genutzt wurden. Die Ergebnisse zeigen vor allem eines: Wo Tiere unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen und direkt verarbeitet werden, finden Influenzaviren günstige Bedingungen, um zu zirkulieren und sich weiterzuentwickeln.

Alle untersuchten H9N2-Viren gehörten zu einem Genotyp

Aus Proben mit hoher Viruslast isolierten die Forscher 48 H9N2-Viren und entschlüsselten deren Erbgut. Alle Isolate gehörten zum Genotyp G57. Dabei fanden sie mehrere genetische Veränderungen, die aus früheren Untersuchungen bereits bekannt sind. Einige dieser Mutationen stehen im Verdacht, die Anpassung von Influenzaviren an Säugetiere zu begünstigen oder die Bindung an bestimmte Zellrezeptoren zu verändern.

Die Autoren weisen jedoch selbst darauf hin, dass sich daraus keine Aussagen über eine bessere Übertragbarkeit auf den Menschen ableiten lassen. Solche genetischen Marker sind zunächst Hinweise für die Überwachung. Ob sie sich tatsächlich auf das Verhalten des Virus auswirken, müssen weitere Labor- und Tiermodelle zeigen.

Für Europa zählt vor allem die Überwachung

Die Risikobewertung für Deutschland verändert sich dadurch erstmal nicht. Dennoch liefert die Studie wichtige Informationen, um aviäre Influenzaviren zu überwachen. Denn H9N2 verursacht bei Geflügel häufig nur milde Krankheitsverläufe und kann deshalb leichter unbemerkt zirkulieren als die hochpathogenen H5-Viren.

Gleichzeitig gilt H9N2 seit Jahren als wichtiger Spender innerer Genabschnitte für neue Influenzaviren. Deshalb verfolgen Referenzlabore weltweit nicht nur, wo der Subtyp auftritt, sondern auch, wie sich sein Erbgut verändert. Dass Europa H9N2 inzwischen ebenfalls nachgewiesen hat, macht solche Arbeiten auch für die hiesige Geflügelwirtschaft interessant.

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