DGS: Eier bei mehreren Ausbrüchen betoffen

25-08-2026

300 Erkrankte in Belgien, mehr als 200 Fälle in Großbritannien und weitere Ausbrüche in Frankreich: In mehreren europäischen Ländern führen die Ermittlungen derzeit zu Eiern.

von DGS RedaktionQuelle: Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), UK Health Security Agency, Robert Koch-Institut, ECDC, BfR erschienen am 25.08.2026 Lesezeit: ca. 4 Min.
 

In Belgien ist die Zahl der Erkrankten bei einem mit Eiern verbundenen Salmonellenausbruch auf 300 gestiegen. Die Erkrankungen reichen von Februar 2025 bis Juli 2026. Die belgische Lebensmittelbehörde FAVV führte die Untersuchungen zum Legehennenbetrieb Laerco BV. In einer Staubprobe aus einem Stall wurde derselbe Salmonellentyp nachgewiesen wie bei erkrankten Menschen. Später fiel auch ein weiterer Stall positiv auf.

Bereits im Mai hatte Laerco Eier zurückgerufen. Betroffen waren die Stempelcodes 2-BE-1073-01 bis 04. Im August folgte ein weiterer Rückruf. Die Eier wurden auch außerhalb Belgiens vermarktet. Die belgische Behörde FAVV bestätigte die betroffenen Stempelcodes bei ihren Rückrufen.

Fast gleichzeitig untersucht Großbritannien einen weiteren großen Salmonellenausbruch. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA waren bis zum 13. August 207 Erkrankungen bestätigt, 206 davon im Jahr 2026. Ein Mensch starb. Von den Erkrankten, für die entsprechende Angaben vorlagen, mussten 38 % wegen ihrer Salmonellose stationär behandelt werden.

Die Suche nach der Quelle läuft noch. Von 114 ausführlicher befragten Erkrankten hatten 95 in der Woche vor Beginn der Symptome außer Haus gegessen. Bei fünf Gastronomiebetrieben fanden die Ermittler jeweils mindestens zwei voneinander unabhängige Erkrankte. Insgesamt lassen sich diesen Betrieben 24 Fälle zuordnen. Elf der Betroffenen gaben an, Gerichte mit Ei gegessen zu haben.

Die UKHSA bezeichnet den Verzehr von Eiern derzeit als stärkstes Signal der Untersuchung. Die betroffenen Gastronomiebetriebe bezogen Eier allerdings aus mehreren Quellen, darunter Importeure. Einen Zusammenhang mit Eiern oder Geflügel aus britischer Produktion haben die Behörden bislang nicht festgestellt. Auch eine Verbindung zum belgischen Geschehen ist nicht belegt.

Eine bekannte Spur nach Polen

Noch weiter führt eine Untersuchung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA. Zwischen Mai und Juli 2026 traten in Frankreich vier räumlich getrennte Salmonellenausbrüche auf. Die Ermittler konnten selbst hergestellte Speisen mit Ei als Übertragungsweg bestätigen. Salmonellen aus Eiern und Eiprodukten bei den Erkrankten passten zu den Erregern aus den vier Ausbrüchen.

Die Rückverfolgung führte über zwei Packstellen zu drei Legehennenbetrieben derselben Unternehmensgruppe in Polen. Genau diese drei Betriebe waren bereits von einem großen europäischen Salmonellengeschehen betroffen, das sich zwischen 2016 und 2020 über 18 Länder erstreckte.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich derselbe Salmonellenstamm dort seit Jahren gehalten hat. Die EFSA fand keinen genetischen Zusammenhang zwischen den historischen Isolaten und den 2026 in Frankreich gefundenen Erregern. Die wiederholten Nachweise in Eiern aus derselben polnischen Unternehmensgruppe könnten nach Einschätzung der Behörde auf eine fortbestehende Kontamination oder auf einen erneuten Eintrag weiter oben in der Produktionskette zurückgehen. Welche Erklärung zutrifft, ist offen.

Das frühere Geschehen zeigt, welche Dimension solche Fälle erreichen können. Zwischen Februar 2017 und Januar 2020 meldeten 15 EU- und EWR-Staaten 656 bestätigte und 202 wahrscheinliche Erkrankungen. Zusammen mit älteren Fällen waren 18 Länder betroffen. Untersuchungen hatten Erkrankungen vor 2018 mit Eiern aus Legehennenbetrieben eines polnischen Unternehmensverbunds verbunden.

Auch Deutschland kennt große Eier-Ausbrüche

Dass zunächst einzelne Erkrankungen erst später ein größeres Bild ergeben, zeigte sich auch in Deutschland. Eines der größten Salmonellengeschehen des Jahres 2018 umfasste nach Angaben des Robert Koch-Instituts 191 Erkrankungen in mehreren Bundesländern. Als wahrscheinliche Ursache galten Eier aus Bodenhaltung.

Erst die molekulare Typisierung der Erreger zeigte, dass 24 zunächst kleinere Ausbrüche zu demselben Geschehen gehörten. 2019 wurden diesem Ausbruchskomplex weitere 64 Erkrankungen zugeordnet. Im selben Jahr trat in Hessen ein anderer Salmonellenausbruch mit 41 Erkrankungen auf, der ebenfalls mit Eiern oder Eiprodukten zusammenhing.

Aktuelle Zahlen aus deutschen Legehennenbeständen geben keinen Anlass, daraus eine vergleichbare Ausbruchslage für Deutschland abzuleiten. Sie zeigen aber, dass die Überwachung weiter nötig bleibt. Im nationalen Salmonellen-Bekämpfungsprogramm wurden 2024 insgesamt 6.605 Legehennenherden untersucht. In 59 Herden beziehungsweise 0,9 % wurden die beiden bekämpfungsrelevanten Salmonellentypen S. Enteritidis oder S. Typhimurium nachgewiesen. Im Vorjahr waren es 34 Herden beziehungsweise 0,5 %. Allein S. Enteritidis wurde 2024 in 41 Herden gefunden.

Das BfR spricht gegenüber dem Vorjahr von einer leichten Verschlechterung bei Legehennen. Gleichzeitig blieb Deutschland mit 0,9 % deutlich unter dem europäischen Zielwert von höchstens 2 % positiver Legehennenherden.

Belgien, Großbritannien und Frankreich bilden nach bisherigem Kenntnisstand keinen gemeinsamen Ausbruch. Auch die Ursachen und Vertriebswege unterscheiden sich. Gemeinsam ist den aktuellen Geschehen, dass Eier bei den Ermittlungen eine zentrale Rolle spielen. In Belgien wurde der Erreger bis in einen Legehennenbetrieb zurückverfolgt, in Frankreich führten die Untersuchungen über Packstellen zu mehreren Lieferbetrieben. In Großbritannien ist die Quelle dagegen noch offen. Für die Eierwirtschaft liegen damit innerhalb weniger Monate mehrere größere Salmonellengeschehen vor, deren Ursprung und Verbreitungswege jeweils einzeln geklärt werden müssen.

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